Notf.med. up2date 2019; 14(02): 137-150
DOI: 10.1055/a-0754-7608
Allgemeine und organisatorische Aspekte
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Präklinisches Volumenmanagement beim Schwerstverletzten

Björn Hußmann
,
Pascal Jungbluth
Further Information

Publication History

Publication Date:
06 June 2019 (online)

Die präklinische Behandlung von schwerstverletzten Patienten im hämorrhagischen Schock ist für jedes behandelnde Notfallteam eine Herausforderung. Die Heterogenität der Blutungsursachen, auf die bei jeder Therapie individuell eingegangen werden muss, lässt eine immer richtige, grundsätzlich pauschal geltende Therapieempfehlung nicht zu. In diesem Beitrag werden aktuelle Empfehlungen und Praxistipps für die präklinische Volumentherapie dargestellt.

Kernaussagen
  • Um zukünftig eine Verbesserung der Letalitätsraten bei schwerstverletzten Patienten zu erreichen, muss eine Blutung und der damit einhergehende hämorrhagische Schock – als häufigste zu vermeidende Todesursache – weiter in den präklinischen Fokus rücken bzw. bleiben.

  • Eine schnellstmögliche präklinische Behandlung und ein zügiger Transport, prioritätengerecht, verbessern das Outcome beim hämorrhagischen Schock.

  • Ein normotensiver Patient bedarf keiner Volumentherapie. Jedoch sind venöse Zugänge unabdingbar (ständige Reevaluation ist zwingend erforderlich; Normotension bedeutet nicht, dass kein Volumen verloren gegangen ist).

  • In Abwesenheit eines schweren Schädel-Hirn-Traumas ist die permissive Hypotension bei unkontrollierter Blutung ein bewährtes Therapiekonzept.

  • Bei einem isolierten SHT sollte nach derzeitigem Stand der mittlere arterielle Blutdruck (MAP) 80 – 90 mmHg betragen.

  • Die Gerinnungsfähigkeit des Patienten muss präklinisch mitbedacht werden. Eine Dilution durch unnötig viel Volumen muss vermieden werden. Hierzu gehört auch, dass durch eine gezielte, mit Augenmaß durchgeführte Volumentherapie eine Hypothermie nicht verschlimmert wird.

  • Kristalloide balancierte isotone Lösungen stellen den Hauptanteil der präklinischen Volumentherapie.