DZO 2018; 50(04): 193
DOI: 10.1055/a-0721-2782
Forum – Leserbrief
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Replik auf den Leserbrief von Herrn Dr. Norbert Aust et al. zu „Zusatznutzen der Homöopathie in der Onkologie“

Jens Wurster
1  Clinica St. Croce/Clinica Dr. Spinedi, Orselina
,
Michael Frass
2  Internist, Wien
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Publication Date:
07 January 2019 (online)

Wir freuen uns, dass Herr Dr. Aust und sein Team so hohes Interesse an unserer Arbeit gefunden haben [1]. Einige Punkte müssen dennoch geklärt werden, die in dem Leserbrief von Aust völlig falsch dargestellt wurden.

Es ist unverständlich, warum mir ein Interessenkonflikt vorgeworfen wird, nur weil ich als homöopathischer Arzt, der in einer homöopathischen Klinik arbeitet, über unsere homöopathischen Behandlungserfolge schreibe: Analog müsste ja dann z. B. ein Chirurg einen Interessenkonflikt angeben, nur weil er an einer chirurgischen Klinik arbeitet. Dieser Vorwurf geht also völlig ins Leere. Es wäre dann viel mehr die Aufgabe von Herrn Aust, seine Mitgliedschaft in der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), einer Gesellschaft, die sich professionell mit aggressiven Attacken gegen jede Form der Komplementärmedizin beschäftigt, offenzulegen.

Interessant ist die Feststellung, dass kritisiert wird, „dass es die Homöopathie gewesen sein müsse, die den positiven Verlauf verursacht habe“: Im Fazit am Ende des Artikels steht ausdrücklich und für jeden Mediziner verständlich, „dass wir immer nur eine begleitende homöopathische Therapie empfehlen und nur in den Fällen, bei denen die schulmedizinischen Therapiemöglichkeiten bereits ausgeschöpft sind, dennoch versuchen, den Patienten unterstützend mit Komplementärmedizin und Homöopathie zu helfen“. Die ob der positiven Krankheitsverläufe zitierten Kollegen sind alle kompetente Onkologen, ich verwahre mich schärfstens dagegen, deren schulmedizinische Kompetenz in Frage zu stellen.

Die Anmerkung zur Rostock-Studie wurde interessanterweise von niemandem in Form einer Entgegnung auf wissenschaftlichem Niveau kritisiert und bei den signifikanten Ergebnissen zeigt sich auch deutlich, dass es sich um kein „Artefakt“ handelt. Die Studie von Prof. Frass [2] und die nachfolgende Reanalyse der Daten [3] zeigen hier zudem weitere klare Verhältnisse: Auch hier berichten die homöopathisch behandelten Patienten von einer verbesserten Lebensqualität. Diese Anmerkung geht somit ebenfalls ins Leere.

Die zumeist als Beweis gegen die Wirksamkeit der Homöopathie zitierte Lancet-Arbeit ist wissenschaftlich nicht belastbar, sie zeigt im Gegenteil eine sehr gute Wirksamkeit der Homöopathie. Die Ergebnisse dazu sind verblüffender Weise nicht dargestellt, wiewohl als Hauptparameter angegeben. Die Autoren der Publikation aus Australien mussten vor kurzem in einer öffentlichen Befragung zugeben, dass sie nicht den wissenschaftlich anerkannten Methoden gefolgt sind [4]. Daher sollte man die genannten Arbeiten kritisch lesen, bevor man unkritische Bemerkungen zum Herstellungsprozess der homöopathischen Arzneimittel macht.

Bei aller Vorsicht: Homöopathie ist eine sanfte Methode. Um den berechtigten Bitten von Herrn Aust und seinen Mitautoren nach mehr qualitativ hochstehenden Studien nachzukommen, benötigen wir universitäre Strukturen, um diese Studien durchführen zu können. Derzeit fehlen leider die entsprechenden Einrichtungen sowie die personellen und finanziellen Ressourcen.