Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-0667-8382
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gesundheitskompetenz im höheren Lebensalter

Health Literacy in Advanced Age
Dominique Vogt
1  Public Health and Education, Hertie School of Governance, Berlin
,
Eva-Maria Berens
2  Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
,
Doris Schaeffer
2  Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
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Publication Date:
15 October 2018 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Gesundheitskompetenz – international als Health Literacy bezeichnet – ist ein zunehmend diskutiertes Thema. Obschon die Studienlage in Deutschland noch lückenhaft ist, deutet sich an, dass bestimmte Gruppen sich häufiger vor Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen gestellt sehen als die Allgemeinbevölkerung. Dazu gehören auch ältere Menschen. In der deutschsprachigen Forschung zur Gesundheitskompetenz wurden sie bisher jedoch kaum untersucht oder nur als homogene Gruppe betrachtet.

Ziele und Methode Ziel des vorliegenden Beitrags ist eine Analyse der Gesundheitskompetenz bzw. Health Literacy von Menschen im höheren Lebensalter. Auf der Basis der Daten der HLS-GER-Studie wird die Gesundheitskompetenz von Menschen im Alter von 65 Jahren und älter unterteilt in 3 Altersgruppen untersucht. Der Fokus liegt auf den Bereichen Krankenversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung und den unterschiedlichen Dimensionen der Informationsverarbeitung (finden, verstehen, beurteilen und anwenden). Die Gesundheitskompetenzniveaus in den einzelnen Bereichen und Dimensionen werden differenziert nach Altersgruppen deskriptiv dargestellt. Mögliche Altersgruppenunterschiede werden mit Hilfe einfaktorieller Varianzanalyse auf Basis der Mittelwerte der einzelnen Subskalen auf Signifikanz geprüft.

Ergebnisse Von den 475 einbezogenen Menschen ab 65 Jahren sehen sich mehr als zwei Drittel vor Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformation gestellt und haben eine eingeschränkte Health Literacy. Besonders im Bereich Krankenversorgung wird der Umgang mit Gesundheitsinformationen von älteren Menschen als schwierig eingeschätzt; ähnliches gilt für die Suche und Beurteilung von gesundheitsrelevanten Informationen. Dabei zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede zwischen den betrachteten Altersgruppen.

Schlussfolgerung Die Analyse unterstreicht die Notwendigkeit weiterer altersdifferenzierter Studien zur Gesundheitskompetenz. Auch bei der Interventionsentwicklung sind unterschiedliche, nach Altersgruppen differenzierte Strategien erforderlich.

Abstract

Background Health literacy is a frequently discussed concept. Previous studies indicate that older people more often experience difficulties in dealing with health-relevant information compared to the general population. However, existing studies consider older people as a homogeneous group. Therefore, there is a research gap on assessment of health literacy among different subpopulations of older adults.

Objectives and methods The aim of the study is to make a detailed assessment of health literacy in old age. For this purpose, we conducted an age-specific analysis of HLS-GER study data using descriptive analytic procedures. Analysis of variance (ANOVA) was used to assess the association between mean health literacy scores and age.

Results A large proportion of the older population from the HLS-GER sample of 475 persons aged 65 and older has limited health literacy. Perceived difficulties arise in particular in the domains health care as well as in finding and assessing health information. The results also show statistically significant differences between the age groups. Especially those aged 76 and above have a significantly lower level of health literacy in all domains and dimensions than younger older people.

Conclusion These results underline the need for more age-differentiated health literacy research. Additionally, more attention needs to be given to age differentiation in the development of interventions as well.