Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-0652-5556
Übersichtsarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Behandlung im Voraus Planen (BVP): Eine Übersichtsarbeit über das Vorsorgeverhalten von Frauen und Männern in Deutschland

Advance Care Planning (ACP). A Systematic Review of ACP Behavior by Women and Men in Germany
Mariacarla Gadebusch Bondio
1  Medizinische Fakultät, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Bonn
,
Anna Julia Maria Wagner
2  Institut für Medien, Wissen und Kommunikation, Universität Augsburg, Augsburg
,
Rico Krieger
3  Medizinische Fakultät, Technische Universität München, München
,
Leonard Weiß
4  Medizinische Fakultät, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Bonn
,
Susanne Kinnebrock
5  Institut für Medien, Wissen und Kommunikation, Universität Augsburg, Augsburg
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Publication History

Publication Date:
31 July 2018 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Der Wunsch, bis zum Lebensende über sich zu verfügen, hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert erreicht. Frauen und Männer unterschiedlichen Alters, sozio- und bildungsbiografischen Hintergrunds und verschiedener kultureller Prägungen entscheiden zunehmend über künftige Behandlungen im Voraus (Behandlung im Voraus planen, BVP).

Ziel der Arbeit Identifikation und Analyse von Forschungsliteratur über das Vorsorgeverhalten von Männern und Frauen in Deutschland. Im Fokus stehen geschlechterspezifische Unterschiede.

Material und Methoden Systematischer Review von empirischen Studien mit geschlechterspezifischen Daten zum Vorsorgeverhalten in Deutschland. Dezidierte Analyse von 21 der 479 extrahierten Artikel.

Ergebnisse Bei antizipativen Behandlungsentscheidungen zeigt sich, dass das Vorsorgeverhalten von interagierenden Faktoren wie Geschlecht, Alter, kultureller und ethnischer Hintergrund, Religion und Bildung geprägt wird. Eine rein geschlechtsspezifisch erklärbare Prävalenz von Vorsorgeverhalten lässt sich aus den Studien nicht ableiten. Dieses prima facie negative Ergebnis ist z.T. auf das Design der Studien selbst zurückzuführen. Heterogene Daten und wenig ausgeprägte Geschlechtersensibilität lassen die Frage nach dem Verhältnis von Vorsorgeverhalten, Geschlecht und Gender i.d.R. unbeantwortet.

Diskussion Die analysierten Studien reduzieren die Dimension Geschlecht auf eine dualistische Klassifikation, blenden individuelle Rollenbilder und Haltungen (Gender) aus und lassen ebenso geographisch-kulturelle Kontexte unberücksichtigt. Hieraus ergibt sich ein Forschungsdesiderat für Studien mit einem reflektierten gender- und kultursensiblen Fokus.

Abstract

Background The desire to retain control over one’s life until the end has become highly important in our society. Women and men of different ages and of diverse social, cultural, and educational backgrounds increasingly decide in advance about prospective medical treatment (Advance Care Planning, ACP).

Objectives Identification and analysis of literature on advance care planning behavior of men and women in Germany. The focus is on gender-specific differences.

Materials and Methods Systematic review of empirical studies with gender-specific data on advance care planning behavior in Germany. In-depth analysis of 21 of the 479 retrieved articles.

Results The analysis reveals that Advance Care Planning behavior is influenced by interacting factors such as gender, age, cultural and ethnic background, religion, and education. Gender alone does not explain the prevalence of ACP behavior. This prima facie negative result is partly due to the study designs. Heterogeneous data and a lack of gender sensitivity leave the question concerning the relationships between ACP behavior and gender mostly unanswered.

Conclusions The analyzed studies reduce gender to a dualistic classification system, dismiss individual role models and positions and also neglect geographic and cultural contexts. There is a need for studies sensitive to gender and culture.