CC BY-NC-ND 4.0 · Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2018; 15(03): 153-159
DOI: 10.1055/a-0646-6554
Wissenschaftliche Arbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Bedeutung von B3-Läsionen in der Brustdiagnostik – Häufigkeit und therapeutische Konsequenzen

Article in several languages: English | deutsch
Christin Madjar
1  Krankenhaus Nordwest Frankfurt
,
James Seabert
2  St. Josefs Hospital Wiesbaden
,
Annette Fisseler-Eckhoff
3  Institut für Pathologie HELIOS HSK Wiesbaden
,
Christian Gustmann
4  UGP MVZ Institut für Pathologie, Zytologie und Molekularpathologie GbR, Limburg,
,
Isabell Hoffmann
5  Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) Universitätsmedizin Mainz,
,
Doris Lünstroth-Lenk
6  Mammografiescreening-Zentrum Wiesbaden
,
Edgar Rinast
6  Mammografiescreening-Zentrum Wiesbaden
,
Carla von Bruchhausen
7  Radiomed Gemeinschaftspraxis für Radiologie und Nuklearmedizin, Wiesbaden,
,
Helmut Madjar
8  Frauenarztpraxis Dr. Seabert/Prof. Madjar, Wiesbaden
,
Gerald Hoffmann
2  St. Josefs Hospital Wiesbaden
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Publication History

Publication Date:
14 September 2018 (online)

Zusammenfassung

Fortschritte in der bildgebenden Brustdiagnostik und die Einführung von minimalinvasiven Nadelbiopsien haben neben einer besseren Brustkrebsfrüherkennung auch die Zahl falsch positiver benigner Befunde und die Entdeckung von sogenannten Risikoläsionen erhöht. Letztere werden histologisch als B3-Läsionen eingeteilt. Hinter diesen verbergen sich in unterschiedlicher Häufigkeit Malignome, sodass die Entscheidung zu einer Operation oft kontrovers diskutiert wird. Mit der Auswertung unserer Ergebnisse im Rahmen einer retrospektiven Studie wollen wir eine Entscheidungshilfe liefern.

Insgesamt wurden 307 Stanz- oder Vakuumbiopsien (VSB) durchgeführt, die eine B3-Läsion ergaben. Die häufigsten Befunde waren: Papillome (44 %), ADH (22,8 %), FEA (9,4 %), Phylloidestumoren (6,5 %), radiäre Narben (5,9 %), LIN 1 (4,9 %), komplexe Fibroadenome (3,3 %) und LIN 2 (1,6 %). Die Häufigkeiten variierten erheblich in Abhängigkeit davon, ob die Abklärung durch Stanzbiopsie oder VSB vorgenommen wurde. Die stereotaktisch geführte VSB wurde in der Regel bei radiologischem Mikrokalk ohne sonografisches Korrelat durchgeführt. Sonografisch auffällige Befunde wurden dagegen durch die Stanzbiopsie abgeklärt.

In 254 Fällen erfolgte eine Operation, die in 27,2 % der Fälle eine bösartige Histologie ergab: 24,6 % der 114 Papillome, 48,4 % der 62 ADH, 2,4 % der insgesamt 41 FEA, komplexen Fibroadenome und Phylloidestumoren, 20,7 % der 29 LIN-1-Läsionen und radiären Narben sowie 50 % der 8-LIN-2-Läsionen, Adenomyoepitheliome und atypischen apokrinen Metaplasien.

Daraus folgt, dass die Indikation zur offenen Biopsie nach einer Nadelbiopsie mit dem Ergebnis einer B3-Läsion grundsätzlich gegeben ist. Jedoch kann in Einzelfällen insbesondere bei geringerer Malignomrate nach klinisch-pathologischer Konferenz und kritischer Bewertung der bildgebenden Diagnostik auf die Operation verzichtet werden. Ein sorgfältiges Follow-up ist aber unabdingbar