Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2018; 15(03): 141-142
DOI: 10.1055/a-0646-6457
Aktuell diskutiert
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Axilläres operatives Management bei befallenen Sentinel-Lymphknoten in einer deutschlandweiten Mammakarzinom-Kohorte

Contributor(s):
André Hennigs
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg
,
Melitta Köpke
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg
,
Manuel Feißt
2  Medizinische Biometrie und Informatik, Heidelberg
,
Mahdi Rezai
3  Luisenkrankenhaus Düsseldorf, Europäisches Brustzentrum Dr. Razai, Düsseldorf
,
Ulrike Nitz
4  Evangelisches Krankenhaus Bethesda GmbH, Gynäkologie, Mönchengladbach
,
Mareike Moderow
5  Westdeutsches Brust-Centrum GmbH, Düsseldorf
,
Fabian Riedel
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg
,
Michael Golatta
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg
,
Christof Sohn
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg
,
Andreas Schneeweiss
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg
,
Jörg Heil
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
14 September 2018 (online)

Hintergrund

Zum operativen Management des Mammakarzinoms gehört neben der Entfernung des Primärtumors aus der Brust auch die Entfernung von Lymphknoten aus der Achselhöhle. Die vollständige Entfernung der axillären Lymphknoten (ALND) geht jedoch mit einer hohen Morbidität einher (Gefühlsstörungen, Bewegungseinschränkungen, Schwellung des Arms). Mit dem Ziel, diese Morbidität zu reduzieren, wurde die Sentinel-Lymphknoten-Technik (SLND) entwickelt. Ein Lymphödem, das zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führt, tritt bei ca. 20 % der Patientinnen nach der ALND auf, hingegen bei < 5 % der Patientinnen nach der SLND [1]. In prospektiven, randomisierten Studien wurde die SLNB mit der ALND bei klinisch nodal negativer Axilla verglichen [2] [3] [4]. Die umfangreichste Studie war die NASBP B32 mit 5611 eingeschlossen Patientinnen; sie zeigte eine Detektionsrate des Sentinel-Lymphknotens von 97,2 % und eine Falsch-Negativ-Rate (FNR) von 9,8 %. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren zeigte sich kein signifikanter Unterschied im krankheitsfreien Überleben (HR 1,05; 95-CI 0,90 – 1,22; p = 0,54) und Gesamtüberleben (HR 1,20; 95 %-CI 0,96 – 1,50; p = 0,54) zwischen den beiden Studienarmen. Weiterhin wurden keine signifikanten Unterschiede in der axillären Rezidivrate beobachtet. Die SLNB wurde folglich als Standardverfahren des axillären Stagings bei nodal negativer Axilla etabliert.

Hingegen wurde bei Patientinnen mit tumorbefallenem Wächterlymphknoten die komplettierende Axilladissektion (cALND) weiterhin obligatorisch durchgeführt.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse der Studie mit dem Titel „ACOSOG Z0011“ im Jahr 2010 von Giuliano AE et al. stellte das Konzept der cALND jedoch grundsätzlich infrage [5]. Diese prospektive, multizentrische und randomisierte Studie untersuchte bei Patientinnen mit 1 – 2 tumorbefallenen Wächterlymphknoten die Auswirkungen des Verzichts auf die cALND. Verglichen wurde die bisherige Standardtherapie bei positivem Wächterlymphknoten, d. h. die anschließende komplettierende Axilladissektion, mit dem Verzicht auf eine weitere Operation. Insgesamt wurden in der Studie ACOSOG Z0011 446 Patientinnen in den Sentinel-Arm ohne weitere spezifische axilläre Therapie randomisiert und 445 Patientinnen in den cALND-Arm. In der Studie hatten 59 % der Patientinnen Makrometastasen im Sentinel-Lymphknoten und 41 % Mikrometastasen (Metastase < 2 mm). Die ersten Ergebnisse, publiziert 2010, mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 6,3 Jahren zeigten keinen statistisch signifikanten Unterschied der Lokalrezidivrate (nach 5 Jahren alleinige SLND 1,6 % vs. cALND 3,1 %; p = 0,11) und der lokoregionären Rezidive (nach 5 Jahren alleinige SLND 0,9 % vs. cALND 0,5 %; p = 0,45). Die Langzeitergebnisse der ACOSOG-Z0011-Studie wurden 2017 publiziert und bestätigten, dass das Überleben der Patientinnen mit alleiniger SLND nicht unterlegen war im Vergleich zu Patientinnen mit einer cALND [6]. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 9,3 Jahren betrug die 10-Jahres-Gesamtüberlebensrate 86,3 % im Studienarm mit alleiniger SLNB und 83,6 % im cALND-Arm (HR 0,85; 1-seitiges 95 %-CI 0 – 1,16; Nicht-Unterlegenheit p = 0,02). Die lokoregionär-freie 10-Jahres-Rezidivrate im Arm mit alleiniger SLNB betrug 83 % und 81,2 % im cALND-Arm (HR 0,87; 95 %-CI 0,62 – 1,22).