Diabetologie und Stoffwechsel 2018; 13(S 02): S214-S216
DOI: 10.1055/a-0630-3746
DDG-Praxisempfehlung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Diabetes mellitus und Herz

Katharina Schütt
Medizinische Klinik I – Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, Uniklinik RWTH Aachen
,
Dirk Müller-Wieland
Medizinische Klinik I – Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, Uniklinik RWTH Aachen
,
Nikolaus Marx
Medizinische Klinik I – Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, Uniklinik RWTH Aachen
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Publication Date:
31 October 2018 (online)

Kardiovaskuläres Risiko

Patienten mit Diabetes mellitus haben ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen mit ihren Folgeerscheinungen akuter Myokardinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod. So verliert z. B. auch gegenwärtig ein heute 60-jähriger diabetischer Mann 6 Lebensjahre im Vergleich zu einem gleichaltrigen nicht diabetischen Mann, und der 60-Jährige mit Diabetes und stattgehabtem Herzinfarkt verliert 12 Lebensjahre [1]. Diese Daten verdeutlichen die Notwendigkeit einer gezielten Risikostratifizierung von Patienten mit Diabetes und einer konsequenten Behandlung von Diabetes, assoziierten Risikofaktoren und kardiovaskulären Erkrankungen.

Patienten mit Diabetes mellitus sollten bzgl. ihres kardiovaskulären Risikos kategorisiert werden in solche mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, hohem kardiovaskulärem Risiko und moderatem bis niedrigem kardiovaskulärem Risiko [2]. Nach dem SCORE-System der ESC haben Patienten mit einem sehr hohen Risiko ein ≥ 10 %iges Risiko, in den nächsten 10 Jahren eine tödliche kardiovaskuläre Erkrankung zu erleiden. Patienten mit einem hohen Risiko haben ein Risiko ≥ 5 %, aber < 10 % für ein solches Ereignis.

  • Sehr hohes kardiovaskuläres Risiko: Patienten mit Diabetes mellitus und etablierter kardiovaskulärer Erkrankung oder Organschäden wie Proteinurie oder einem Hauptrisikofaktor wie Rauchen, Hypertonie oder Fettstoffwechselstörung.

  • Hohes kardiovaskuläres Risiko: Die meisten anderen Patienten mit Diabetes mellitus. (Einige junge Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 können ein niedriges oder mäßig hohes Risiko haben.)

Zukünftig ist eine weitere Differenzierung in Bezug sowohl auf sehr hohes als auch niedriges Risiko zur effektiveren patientenbezogenen Diagnostik und Therapie notwendig.

Weitere Risikostratifizierung:

Neben der Diagnostik zur o. a. Risikostratifizierung sollten Patienten mit Diabetes und Hypertonie oder dem klinischen Verdacht auf eine kardiovaskuläre Erkrankung ein Ruhe-EKG erhalten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt existieren keine überzeugenden Daten, bei asymptomatischen Patienten mit Diabetes mellitus weitergehende bildgebende Verfahren wie Echokardiografie, Stress-Echokardiografie, Szintigrafie oder MRT einzusetzen. In der klinischen Routine sollte im Rahmen der Risikostratifizierung keine Bestimmung von zirkulierenden Biomarkern durchgeführt werden.


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