Klinikarzt 2018; 47(04): 140-145
DOI: 10.1055/a-0612-1374
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Kognitive Verluste bei Herzinsuffizienz

Ein vergessen(d)es Problem
Johannes Petutschnigg
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin (CVK), Berlin
2  DZHK (Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung), Standort Berlin
,
Frank Edelmann
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin (CVK), Berlin
2  DZHK (Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung), Standort Berlin
3  Berliner Institut für Gesundheitsforschung, Charité – Universitätsmedizin Berlin (CVK), Berlin
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
09 May 2018 (online)

Zusammenfassung

Der kürzlich erschienene Herzbericht der Deutschen Herzstiftung weist die Herzinsuffizienz (ICD I50) unverändert als die häufigste Einzeldiagnose von vollstationär behandelten Patienten in der Bundesrepublik aus [1]. Das komplexe klinische Syndrom mit multiplen Interaktionen zu anderen Organsystemen stellt die behandelten Ärzte oft vor schwer zu lösende Aufgaben. Das Zusammenspiel zwischen Versagen des Myokards und zerebraler (Dys)Funktion wird im klinischen Alltag leider (zu) oft nicht beachtet oder vergessen.

Dieser Artikel soll einen Überblick (patho-)physiologischer Mechanismen als Grundlage dieser gegenseitigen Beeinflussung liefern. Kardiale Dysfunktion und eine Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeiten treten in einer alternden Gesellschaft zunehmend häufiger auf und der Leidensdruck belastet die Betroffenen, ihre Angehörigen und unser Gesundheitssystem. Dennoch findet ein symbiotischer Austausch der Fachrichtungen nur selten statt und die Krankheiten werden fachspezifisch und damit isoliert erhoben und behandelt. Kardio-neurologische Kolloquien sind an einigen Kliniken bereits fest implementiert und sollten einen Aufschwung erleben, denn nicht umsonst wusste bereits Theodor Fontane (1819–1898): „Wenn das Herz gesund ist, ist der Kopf nie ganz schlecht.“ [2].