Notf.med. up2date 2018; 13(02): 135-149
DOI: 10.1055/a-0607-1895
Allgemeine und organisatorische Aspekte
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Triage beim Massenanfall von Verletzten (MANV)

Tobias Neidel
,
Axel R. Heller
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Publication Date:
13 July 2018 (online)

Großschadenslagen wie Busunfälle oder Wohnhausbrände stellen die Einsatzkräfte jedes Mal aufs Neue vor komplexe Aufgaben. Ein Problem ist hier das plötzliche Auftreten einer großen Anzahl von Verletzten. In dieser Situation muss die Patientenversorgung priorisiert werden, um ein Überleben der größtmöglichen Anzahl von Betroffenen zu sichern. Dieser Beitrag soll medizinische Herausforderungen und deren Lösung aufzeigen.

Kernaussagen
  • Das oberste Ziel muss die schnelle und korrekte Identifizierung der Patienten der Sichtungskategorie I (vital bedroht – Sofortbehandlung erforderlich) sein.

  • Die Besatzung des ersteintreffenden Rettungsmittels spielt eine wesentliche Rolle bei der erfolgreichen Bewältigung einer MANV-Lage.

  • Initial als SK III kategorisierte Patienten müssen unbedingt weiter beobachtet und nachgesichtet werden.

  • Die Vorsichtung sollte mithilfe von Algorithmen erfolgen, um die Einsatzkräfte zu entlasten.

  • Bei der Bewältigung von CBRN-Lagen (= Chemisch/Biologisch/Radiologisch/Nuklear) sind besondere Sicherheitsvorkehrungen und eine veränderte Vorgehensweise in der Vorsichtung zu beachten.

  • In Zukunft könnten IT-gestützte Verfahren die Einsatzleitung deutlich entlasten. Eine analoge Rückfallebene ist dennoch zwingend erforderlich.

  • Als Richtwert für MANV-Lagen wird aktuell mit folgender prozentualen Verteilung von geplant:

    • 20% der Patienten SK I

    • 30% der Patienten SK II

    • 50% der Patienten SK III