Gastroenterologie up2date 2018; 14(03): 231-246
DOI: 10.1055/a-0600-9040
Leber/Galle/Pankreas
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erhöhte Leberwerte

Axel Holstege
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Publication Date:
07 September 2018 (online)

Erhöhte Leberwerte weisen meist auf Lebererkrankungen hin – sie können aber auch extrahepatische oder sogar physiologische Ursachen haben. Dieser Beitrag erläutert, welche Konsequenzen das Muster der Leberwerterhöhung für die weitere differenzialdiagnostische Abklärung haben sollte. Im Anschluss werden die infrage kommenden Krankheitsbilder anhand der für sie typischen Laborkonstellationen näher dargestellt.

Kernaussagen
  • Erhöhte Leberwerte sind ein häufiger klinischer Befund bei symptomatischen und asymptomatischen Patienten, der eine weitere Abklärung erfordert. Eine erste Einordnung erlaubt das Muster der pathologisch veränderten Leberwerte.

  • Bei vorwiegender Erhöhung der Transaminasen liegt eine hepatozelluläre Schädigung vor. Dahinter kann sich eine Virusinfektion, eine autoimmune Genese, eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung oder eine medikamentös-toxische Schädigung verbergen.

  • Steht die Erhöhung von Cholestaseenzymen im Vordergrund, muss durch eine Sonografie zunächst geklärt werden, ob eine intra- oder extrahepatische Ursache der Cholestase vorliegt.

  • Intrahepatische Cholestasen sind auf eine primär biliäre Cholangitis, primär und sekundär sklerosierende Cholangitiden, Störungen der kanalikulären Transporter oder Arzneimittelschäden zurückzuführen. Extrahepatische Cholestasen beruhen im Wesentlichen auf Galleabflussstörungen durch Gallensteine oder Tumoren.

  • Eine dritte Gruppe von Leberwerterhöhungen ist durch einen Anstieg der γ-GT charakterisiert. Dahinter verbergen sich toxisch-nutritive, infiltrative und metabolische Lebererkrankungen.

  • Bei der Beurteilung erhöhter Leberenzyme ist zu beachten, dass es neben vielen extrahepatischen Krankheitsursachen auch physiologische Enzymerhöhungen gibt.

  • Niedrige Leberwerterhöhungen bei asymptomatischen Patienten sollten zunächst im Verlauf kontrolliert werden, da sich bei einem Drittel der Betroffenen gering erhöhte Leberwerte spontan normalisieren.