Aktuel Ernahrungsmed 2018; 43(02): 92-100
DOI: 10.1055/a-0595-2481
Originalartikel
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Auswirkung der Kodierung der Mangelernährung im SwissDRG-System

Effect of Malnutrition Coding in the SwissDRG-System
Carla Aeberhard*
1  Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern, Schweiz
,
Mirjam Abt*
1  Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern, Schweiz
,
Olga Endrich
2  Medizincontrolling, Ärztliche Direktion, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern, Schweiz
,
Emilie Aubry
1  Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern, Schweiz
,
Michèle Simone Leuenberger
1  Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern, Schweiz
,
Philipp Schütz
3  Medizinische Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin, Notfallmedizin, Endokrinologie, Diabetologie und Metabolismus, Universität Basel, Kantonsspital Aarau, Schweiz
,
Anna-Barbara Sterchi
1  Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern, Schweiz
,
Zeno Stanga
1  Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern, Schweiz
4  Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bern, Schweiz
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Publication History

Publication Date:
19 April 2018 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Die krankheitsassoziierte Mangelernährung (KAM) ist in Krankenhäusern ein häufiges Problem mit medizinischen und ökonomischen Folgen. Die vorliegende Vier-Jahres-Analyse soll zeigen, ob die Aufwände für die Ernährungstherapien der mangelernährten Patienten durch den Mehrertrag, der durch die Kodierung der KAM im SwissDRG-System erreicht wird, gedeckt werden.

Material und Methodik In dieser Datenerhebung (2013 – 2016) wurden alle stationären Patienten mit einer E4-Diagnose im Universitätsspital Bern analysiert. Betrachtet wurden die E-Diagnose, Hauptdiagnose, Spitalaufenthaltsdauer, Alter, Art der Ernährungstherapie, Mehrertrag und Kosten, welche durch die ernährungstherapeutischen Behandlungen generiert wurden. Der Aufwand für die Ernährungsberatung, daas Pflegefachpersonal und die Ernährungstherapien wurde hochgerechnet. Zudem wurden die Patienten aufgrund ihrer Hauptdiagnose in 12 Gruppen eingeteilt (beruhend auf der WHO ICD-10-Klassifikation).

Ergebnisse Von den stationären Patienten (n = 169 515) wurden insgesamt 5442 Fälle (3,2 %) in den betrachteten 4 Jahren mit einer KAM kodiert. Davon waren 462 Fälle (8,5 %) erlösrelevant. Von den 5442 Patienten erhielten 3211 (59 %) orale Trinknahrungen, 1578 (29 %) eine enterale Ernährung per Sonde und 653 (12 %) eine parenterale Ernährung. Die Kodierung der KAM ergab einen Mehrertrag von insgesamt CHF 3 494 081 und einen Aufwand von hochgerechnet CHF 2 803 432. Am häufigsten wurden onkologische Patienten mit einer KAM kodiert (n = 1708; 31,4 %), gefolgt von Patienten mit Krankheiten des Verdauungssystems (n = 671; 12,3 %) und des Kreislaufsystems (n = 609; 11,2 %).

Schlussfolgerung Diese Analyse zeigt, dass der Mehrertrag durch die Kodierung der KAM im SwissDRG-System den finanziellen Aufwand für die Ernährungstherapien deckt. Die konsequente und frühzeitige Erfassung, Behandlung und Kodierung der KAM führt zu einer hohen Behandlungsqualität und -sicherheit für die Patienten und ist kostendeckend für das Krankenhaus.

Abstract

Background Disease-related malnutrition (DRM) in hospitals is a frequent problem with medical and economic consequences. The present four-years-analysis shows whether the expenses for nutritional therapies of malnourished patients get covered by the surplus, which is attained from the encoding of DRM in the SwissDRG-system.

Material and Methods All inpatients with an E 4-diagnosis of the University Hospital of Bern were analyzed in this data collection (2013 – 2016). The E-diagnosis, diagnosis, length of hospital stay, age, type of nutritional therapy, surplus and costs generated by the nutritional treatment were considered. The expenses for the nutrition counseling, care and nutritional therapies were extrapolated. Further, the patients were divided into 12 groups (based on the ICD-10 classification of the WHO), due to their principal diagnosis.

Results Of the 169515 inpatients in the observed four years, 5442 cases (3.2 %) were coded as malnourished. Only 462 cases (8.5 %) increased the relative weight, and hence, the amount of total reimbursement of the assigned DRM. Of the 5442 patients, 3211 (59 %) received oral nutritional supplements, 1578 (29 %) enteral nutrition and 654 (12 %) parenteral nutrition. The encoding of DRM amounted to a surplus of total CHF 3 494 081 and an effort of extrapolated CHF 2 803 432. Oncological patients were most often encoded with DRM (n = 1708, 31.4 %), followed by patients with diseases of the digestive system (n = 671, 12.3 %) and of the circulatory system (n = 609, 11.2 %).

Conclusion This analysis shows, that the surplus generated by the encoding of DRM in the SwissDRG-system, covers the financial effort resulting from nutritional therapies. The consequent and early assessment, treatment and encoding of DRM lead to a high treatment quality and patient safety and is economically viable for the hospital.

* zu gleichen Teilen am Manuskript beteiligt