Frauenheilkunde up2date 2018; 12(02): 183-199
DOI: 10.1055/a-0592-4594
Geburtshilfe und Perinatalmedizin
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Geburtshilfliche Anästhesie Teil 2: Etablierte Standards und neue Perspektiven

Peter Kranke
,
Thorsten Annecke
,
Dorothee Bremerich
,
Daniel Chappell
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Thierry Girard
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Wiebke Gogarten
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Robert Hanß
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Lutz Kaufner
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Sophie Neuhaus
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Tobias Ninke
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Thomas Standl
,
Stefan Weber
,
Yvonne Jelting
,
Thomas Volk
Further Information

Publication History

Publication Date:
28 June 2018 (online)

Diesem 2-teiligen Beitrag liegt das geburtshilfliche Anästhesiesymposium des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Regionalanästhesie und Geburtshilfliche Anästhesie der DGAI 2016 zugrunde. Im ersten Teil wurde auf Risiken der geburtshilflichen Analgesie und Anästhesie eingegangen. Teil 2 behandelt Standards und Perspektiven zu Epiduralanalgesie, postpunktionellem Kopfschmerz, hämodynamischem Monitoring und postpartaler Blutung.

Kernaussagen
  • Für die geburtshilfliche Epiduralanalgesie sollten nur niedrig konzentrierte Lokalanästhetika mit lipophilem Opioid zum Einsatz kommen. Bei einer akzidentellen Duraperforation ist die Einlage eines Spinalkatheters eine Option. Die Vorteile von PIEB (programmierten intermittierenden epiduralen Boli) müssen in der Praxis noch bestätigt werden.

  • Der Kopfschmerz nach Duraperforation stellt eine für die Patientin sehr belastende Komplikation dar. Bei der Therapie kommt man vielfach nicht um die Durchführung eines epiduralen Blutpatches herum.

  • Die intrathekale Analgesie mittels akzidentell platziertem oder bewusst intraspinal belassenem Katheter ist eine hilfreiche Option bei schwierigen Punktionsverhältnissen bzw. zur Vermeidung des Postpunktionskopfschmerzes.

  • Bei der Verwendung von Thiopental als Anästhetikum zu Sectio sollte ausreichende praktische Erfahrung vorhanden sein, anderenfalls kann – außer bei Kontraindikationen – auf Propofol zurückgegriffen werden. Der Nutzen von Ketamin ist nicht belegt.

  • Bei Schwangeren mit Präeklampsie oder kardialer Erkrankung sollte zusätzlich ein Opioid gegeben werden oder sind andere geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den Blutdruckanstieg unter der Intubation zu vermeiden.

  • Für die subarachnoidale Opioidgabe eignen sich Sufentanil und Morphin. Für das „Aufspritzen“ einer Epiduralanalgesie kann Sufentanil epidural zusätzlich appliziert werden. Morphin epidural kann bei liegendem Katheter die Analgesie verlängern. Vor Einleitung der Intubationsnarkose ist bei kardialen Risikopatientinnen eine Remifentanil-Injektion sinnvoll.

  • Zur Reduktion oder Therapie von opioidbedingten Nebenwirkungen eignen sich insbesondere Serotonin-Antagonisten. Auch wenn Patientinnen nach spinaler oder epiduraler Opioidgabe in der Regel keiner speziellen Überwachung bedürfen, sind schriftlich vereinbarte interdisziplinäre Verfahrensanweisungen für eine optimale Patientensicherheit empfehlenswert.

  • Eine effektive Schmerztherapie nach Kaiserschnitt ist mithilfe neuraxialer Techniken, Lokalanästhesie und verschiedenen Optionen einer systemischen Analgesie in nahezu allen Fällen möglich, wenn die ausgeführten Maßnahmen überlegt zum Einsatz kommen.

  • In der Behandlung von postpartalen Blutungen, die nach wie vor zu den häufigsten direkten Todesursachen unter der Geburt zählen, spielen neben der Aufrechterhaltung der Homöostase und der Gabe von Uterotonika die Blut- bzw. Gerinnungskomponententherapie (Tranexamsäure, Fibrinogen, PPSB, ggf. Faktor XIII) eine bedeutsame Rolle.

  • Aktuell ist kein ideales erweitertes hämodynamisches Monitoring für geburtshilfliche Patientinnen verfügbar. Wichtiger als ein spezifisches Verfahren sind weiterhin die Vigilanz des Anästhesisten, der rechtzeitige Einsatz eines vertrauten Verfahrens bei Risikoschwangerschaften und die Beurteilung der erhobenen Messwerte im klinischen Kontext. Im Zweifelsfall ist eine rechtzeitig platzierte invasive arterielle Blutdruckmessung als überlegen anzusehen.