AHZ 2018; 263(03): 3
DOI: 10.1055/a-0591-0268
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Auch in der Palliation zeigt die Homöopathie ihren Wert

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Publication Date:
25 May 2018 (online)

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DOI https://doi.org/10.1055/a-0591-0268

AHZ 2018; 263: 3

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

ISSN 1438-2563

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Gerhard Bleul

Schwerpunkt dieser Ausgabe ist die Palliation. Nicht die „Bemäntelung“ von Symptomen, die eigentlich heilbar wären, sondern die homöopathische Behandlung fortgeschrittener Erkrankungen, bei denen keine vollständige Heilung mehr möglich ist.

Der Bedeutungswandel dieses Begriffs wird in meinem Beitrag zur Palliation in der Homöopathie dargestellt.

Michael Frass berichtet, wie die Homöopathie in einem Wahlfach an der Medizinischen Universität Wien gelehrt wird, und stellt 3 Fälle von homöopathischer Begleitung in der Sterbephase dar: Palliativmedizin und Homöopathie.

Ernst Trebin zeigt in seinem Beitrag, wie die Beschwerden beim Aortenaneurysma homöopathisch mitbehandelt werden können; in allen 4 Fällen war Kalium jodatum erfolgreich.

In seinem Fallbericht Akutes Nierenversagen beschreibt Martin Bündner, wie ein chronisch kranker Patient mit intensiver homöopathischer Behandlung aus dieser schweren und lebensbedrohlichen Symptomatik herausgeführt wurde.

Jutta Gnaiger-Rathmanner hat beim ICE-Kongress 2015 der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie Podophyllum als mögliche Krebsarznei vorgestellt. Ihr Beitrag erscheint in einer überarbeiteten Version ebenfalls in diesem Heft.

Diese vielfältigen Berichte aus der homöopathischen Praxis zeigen wieder einmal, wie breit die Einsatzmöglichkeiten der Homöopathie sind und wie erfolgreich sie auch in Kombination mit anderen Methoden sein kann.

Da verwundert die Aktion eines sogenannten „Münsteraner Kreises“, einem Zusammenschluss von Medizinern, Journalisten, Hochschulprofessor(inn)en. Sie „ersuchen“ den Deutschen Ärztetag, „die Zusatzbezeichnung ‚Homöopathie‘ersatzlos zu streichen“. Ihre Begründung: „Die Homöopathie ist eine unwissenschaftliche Heilslehre“, sie „widerspricht sicheren wissenschaftlichen Erkenntnissen“ und „Studien liefern keine Hinweise für eine Wirksamkeit der Homöopathie“. Man beruft sich auf eine nicht näher benannte „internationale Wissenschaftlergemeinschaft“ und argumentiert in einer seltsam unlogischen Art: „Potenzieren und Simile-Prinzip widersprechen sicheren wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Homöopathie ist demnach der Esoterik zuzurechnen.“

Im Dunkeln liegen die Beweggründe. Ist es einfach Intoleranz? Ist es die Angst vor dem Zusammenbruch eines sehr engen positivistischen Weltbilds? Gibt es andere Motive?

Wenn dieses Heft erscheint, ist der 121. Deutsche Ärztetag vorbei. Wir hoffen, dass die selbstständig denkenden Ärztevertreter die Homöopathie für die ärztliche Weiterbildung erhalten haben.

Gerhard Bleul