Handchir Mikrochir plast Chir 2019; 51(02): 130-138
DOI: 10.1055/a-0584-7488
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Visualisierung von Bakterien auf Verbrennungswunden und Spalthauttransplantaten nach der MEEK/MESH-Technik – Eine Pilotstudie mit ersten Erfahrungen der klinischen Wundbeurteilung durch Autofluoreszenz

Imaging of bacteria in burn wounds treated with split-thicknessgrafts in MEEK/MESH technique: a pilot study with first experiences in clinical wound evaluation with autofluorescence
Seyed Arash Alawi
Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Replantationszentrum Niedersachsen, Schwerbrandverletztenzentrum Niedersachsen
,
Anne Limbourg
Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Replantationszentrum Niedersachsen, Schwerbrandverletztenzentrum Niedersachsen
,
Sarah Strauss
Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Replantationszentrum Niedersachsen, Schwerbrandverletztenzentrum Niedersachsen
,
Peter M. Vogt
Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Replantationszentrum Niedersachsen, Schwerbrandverletztenzentrum Niedersachsen
› Author Affiliations
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Publication History

30 December 2017

23 February 2018

Publication Date:
12 February 2019 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Tiefgradige Verbrennungen bedürfen eines frühzeitigen Débridements und der Transplantation von Haut nach der MEEK/MESH-Technik oder weitere rekonstruktive Operationen. Infektionen von Verbrennungswunden oder transplantierten Arealen limitieren den chirurgischen Erfolg und erhöhen die Mortalität. Spalthauttransplantate nach der MEEK-Technik werden mit Textilien als Träger transplantiert und ähnlich der MESH-Technik mit einem Schaumstoff-Überknüpfer fixiert. Die Auflage dieser Fremdmaterialien wird in der Regel fünf Tage belassen. Dieses Fremdmaterial könnte jedoch potentiell eine Brutstätte für Bakterien und Erreger darstellen. Eine Identifikation von drohenden Infektionen und die frühzeitige Identifizierung einer erhöhten Bakterienlast bei Verbrennungswunden durch die Darstellung mittels der Autofluoreszenz (AF) sind hilfreich, um Wunden adäquat zu beurteilen und Hauttransplantate zu sichern.

Material und Methoden Zur Charakterisierung von Verbrennungswunden, die mit Spalthaut nach der MEEK/MESH Technik gedeckt wurden und mit Schaumstoff-Überknüpfer behandelt wurden, erfolgte die Darstellung der Erregerlast mittels MolecuLight i:X™. Es erfolgte zusätzlich die Bildgebung mittels einer Digitalkamera und die Bestimmung der Erreger mit mikrobiologischen Abstrichen. Mit dieser Pilotstudie wird die Besiedlung von Fremdmaterialien auf Verbrennungswunden sowie die diagnostische Wertigkeit der Autofluoreszenz im Vergleich zur klinischen Wundbeurteilung bei Verbrennungswunden geprüft.

Ergebnisse Wir untersuchten Verbrennungswunden (n = 14) von drei intensivmedizinischen Patienten. Es erfolgte die Unterteilung in insgesamt 53 Wundareale. Die MolecuLight i:X™ Kamera zeigte eine starke Besiedlung der transplantierten Areale und Fremdmaterialien, korrespondierend zu den mikrobiologischen Befunden. Die MEEK-Transplantationen heilten zu 90 % im Vergleich zu MESH-transplantierten Arealen mit etwa 60 % ein. Es zeigte sich ein positiv prädiktiver Wert von 81,8 % der AF. Der negativ prädiktive Wert betrug 90,3 % bei einer Sensitivität von 86,7 % und einer Spezifität von 87,5 %.

Schlussfolgerung Die Dauer des Belassens von Fremdmaterial sollte auf die kürzeste Zeit begrenzt werden.Die Darstellung der Erregerlast mittels AF zeigt eine starke Besiedlung sowohl bei der MEEK-Technik mit der Seidenschicht als auch bei der MESH-Technik mit dem Schaumstoff-Überknüpfer. Die real-time Darstellung der Verbrennungswunden mittels AF kann durch die hohe Sensitivität und Spezifität eine gezielte Intervention an der Verbrennungsoberfläche ermöglichen.

Abstract

Background Partial and full thickness burns require surgical treatment, such as early débridement and skin transplantation in MEEK/MESH technique or further reconstructive surgery. Infections of burns or transplanted areas limit surgical success and increase patient mortality. For split-thickness grafts in MEEK technique a superficial silk is applied as a protective on-top dressing, whereas in MESH technique fatty gauze and foam are used as standard protective covers over five to seven days. However, wound occlusion by both materials provides the soil for growth of microorganisms. The timely identification of impending infections is necessary to initiate early removal in order to safe and preserve skin grafts. Early identification of infections and removal of foreign material should therefore be attempted.

Material and methods Burn wounds treated with split-thickness skin grafts processed by MEEK/MESH technique and covered with silk or foam overlayers were analyzed for signs of bacterial infection using the MolecuLight i:X™ device. In addition, swaps for microbiological analysis where taken from fluorescent areas and correlated with florescent image results.

Results We examined burn wounds (n = 14) of three different intensive care patients. The MolecuLight i:X™ camera showed a strong colonization of the transplanted areas and foreign materials, that were in line with microbiological analysis findings. The representation of the excitation load showed high values in the foreign materials. The take rate of MEEK-transplants was 90 % compared to MESH-transplanted with about 60 %. The positive predictive value was 81.8 % for detection of a wound infection with autofluorescence. The negative predictive value was 90.3 % with a sensitivity of 86.7 % and a specificity of 87.5 %.

Conclusion The representation of the fluorescence exciter load shows high concentrations of pathogens both in the MEEK silk layer as well as in foam linkers. Overall split-thickness grafts according to the MEEK technique showed a higher healing rate compared to MESH technique. Screening of burns wounds with autofluorescence imaging can be helpful for an additive wound assessment. Split-thickness graft covers should be applied only for a minimum time period required to ensure stable grafting.