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DOI: 10.1055/s-0043-1769818
Verlegungen geplanter außerklinischer Geburten im Vergleich mit übergeleiteten Hebammenkreißsaalgeburten: eine explorative, retrospektive Analyse
Authors
Hintergrund In Deutschland wird der Fokus immer mehr auf eine interventionsarme Begleitung der Gebärenden gelegt. Dabei kann die Entbindung gemäß §24f SGB V ambulant in einem Krankenhaus, in einer von Hebammen oder ärztlich geleiteten Einrichtung, in einer Hebammenpraxis oder im Rahmen einer Hausgeburt stattfinden. Seit 2003 gibt es in Deutschland mit dem Hebammenkreißsaal (HKS) eine weitere klinische Wahlmöglichkeit. 2021 wurden etwa 17.500 außerklinisch betreute Geburten erfasst, bei denen ca.15% der Kinder nach Verlegung in einer Klinik geboren wurden. Ziel unserer retrospektiven Analyse war es, das feto-maternale Outcome von Geburten im außerklinischen Bereich mit Geburten im HKS, im Falle einer notwendigen peripartalen Verlegung bzw. Überleitung, zu vergleichen.
Material und Methoden Zwischen 12/2020 bis 12/2021 wurden retrospektiv alle im HKS des Universitätsklinikums Leipzig übergeleiteten Geburten (n=74) analysiert und mit einer vergleichbaren Anzahl an außerklinischen Geburten (n=72), welche peripartal in unsere Klinik verlegt wurden, verglichen. Als Zielgrößen galten Unterschiede bei prä- und peripartale Risikofaktoren, geburtshilfliche Interventionen (instrumentelle Entbindung, Episiotomierate), sekundäre Sectiorate sowie das maternale und neonatale Outcome.
Ergebnisse Von den erfassten außerklinischen Geburten waren 86,1%(n=62) Verlegungen aus einem Geburtshaus und 13,9%(n=10) Verlegungen geplanter Hausgeburten. In beiden verglichenen Gruppen überwogen die Erstgebärenden mit 87,8% bei den übergeleiteten HKS-Geburten vs. 75% bei den verlegten außerklinischen Geburten. Die Wahrscheinlichkeit eines Spontanpartus war im Kollektiv der übergeleiteten HKS-Geburten mit 73,7% signifikant höher als im Vergleichskollektiv mit 55,6%(p<0,001) bei annähernd gleicher Rate an vaginal-operativer Entbindungen und niedriger Sectiorate mit 6,6% vs. 20,8%(p<0,001). Die Dauer der Geburt war bei den abgebrochenen außerklinischen Geburten mit im Mittel 19h vs. 10h signifikant länger (p<0,001), wobei vor allem eine längere Eröffnungsperiode bei annähernd gleicher Dauer der Austreibungsperiode auffiel. Zudem zeigten sich bei den abgebrochenen außerklinischen Geburten signifikant häufiger Blutverluste ≥1000ml(p=0,003), 5´-APGAR-Werte ≤7(p<0,001) sowie neonatologische Verlegungen(p<0,001).
Fazit Im Falle einer notwendigen Verlegung bei außerklinischen Geburten ist die Wahrscheinlichkeit einer notwendigen sekundären Sectio höher als bei Verlegungen innerhalb der Klinik im HKS. Das maternale sowie neonatale Outcome war bei den verlegten außerklinischen Geburten signifikant schlechter, bei insgesamt vergleichbarer Interventionsrate. Eine kritische Risikoselektion ist essenziell für ein gutes Outcome bei Geburten im außerklinischen Bereich. Vor allem Erstgebärende müssen darüber aufgeklärt werden, dass eine Verlegung intrapartal häufiger vorkommen kann und eine zeitnahe Verlegung zur Vermeidung prolongierter Geburtsverläufe entscheidend für das Outcome ist.
Publication History
Article published online:
21 June 2023
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Georg Thieme Verlag
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
